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Warum tritt der Papst zurück? Vatikanischer Schafspelz

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Warum tritt der Papst zurück? Vatikanischer Schafspelz

Es gibt viele Überlegungen zum Rücktritt von Joseph Ratzinger, wovon zwei in den letzten Tagen besonders markant waren. Die renommierte britische Nachrichtenagentur reuters schreibt am 15.2.2013: „Pope Benedict’s decision to live in the Vatican after he resigns will provide him with security and privacy. It will also offer legal protection from any attempt to prosecute him in connection with sexual abuse cases around the world, Church sources and legal experts say.“ Sein Verbleib hinter den vatikanischen Mauern biete ihm also einen „legalen Schutz vor jedem Versuch, ihn in Zusammenhang mit weltweiten Sexualverbrechen anzuklagen, wie kirchliche Quellen und Rechtsgelehrte sagen“.
Hier die Meldung in voller Länge, die von den deutschen Medien leider totgeschwiegen wird: http://www.reuters.com/article/2013/02/15/us-pope-resignation-immunity-idUSBRE91E0ZI20130215

Tatsächlich wurde der Papst vor dem Internationalen Strafgerichtshof für Menschenrechte in Den Haag wegen der Jahrzehnte langen Vertuschung von Tausenden von Kinderschänderverbrechen von Priestern angeklagt; auch, weil er auf diese Weise durch Unterlassung weitere Verbrechen an Kindern begünstigte. Diese Vertuschung hatte er mit brachialer innerkirchlicher Gewalt – nämlich der Androhung von Exkommunikation und damit laut katholischer Lehre „ewiger Hölle“ bei Zuwiderhandlung – maßgeblich mit durchgesetzt.
Dazu ist auch das Buch Angeklagt: Der Papst des britischen Kronanwalts Geoffrey Robertson erschienen (siehe Artikelbild).

Eine zweite markante Überlegung geht auf eine Meldung von Mitte Februar 2012 zurück, wo Kurienkardinal Hoyos mit den Worten zitiert wird: „Kardinal Romeo verkündete selbstsicher, so, als wenn er dies genau wisse, dass der Heilige Vater nur noch 12 Monate leben werde“. Kardinal Romeos Aussage stamme allerdings bereits von November 2011, wodurch die 12 Monate schon vor der Rücktrittserklärung abgelaufen wären. Allerdings könnten durch die Publizierung dieser höchst brisanten Aussagen im Februar 2012 bestimmte Planungen auch durchkreuzt worden sein. Nicht ausgeschlossen werden kann weiter, dass Joseph Ratzinger durch den Rücktritt dieses mögliche Bedrohungsszenario hinter sich lassen wollte und seine Rücktrittsentscheidung intern bereits vor Ablauf der 12 Monate bekannt gab.
Und dieses Szenario hängt offenbar sehr eng mit der weltweiten Funktion und den Praktiken der Vatikan-Bank zusammen, in deren Umfeld es schon mehrere Morde gegeben hat. Der von Joseph Ratzinger eingesetzte und 2012 entlassene Bankier Gotti Tedesci sagte nach der Entlassung, er fürchte nun um sein Leben (http://www.theologe.de/theologe16.htm#Tedeschi).

Interessant ist auf jeden Fall die Nachfolge-Regelung. Der ebenfalls von Benedikt XVI. ernannte Nachfolger als Chef der Vatikanbank (IOR = Institut für religiöse Werke) ist der deutsche Malteser-Ritter und Freizeit-Jäger Ernst von Freyberg, gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender von Blohm+Voss Shipyards. Diese Sparte des Blohm+Voss-Konzerns wurde vom Eigentümer, dem Rüstungskonzern Thyssen-Krupp im Jahr 2012 an den britischen Konzern Star Capital verkauft, der daneben noch Kabelnetze und Seniorenheime betreibt. Auf der Homepage von Blohm+Voss Shipyards, deren Aufsichtsratsvorsitzender also jetzt der neue IOR-Chef ist, wird allerdings auf Seite 1 weiterhin zur Blohm+Voss Naval verlinkt. Diese Sparte, in der Kriegsschiffe und U-Boote, z. B. Atom-U-Boote, gebaut werden, gehört weiterhin zu Thyssen-Krupp. Der Vatikan ist auf jeden Fall über die Verbindungen des neuen Vatikanbank-Chef noch weiter vernetzt als zuvor.

Zusammenfassend könnte man fragen: Vertuschung von Sex-Verbrechen an Kindern, Bedrohungsszenarien in Verbindung mit der Vatikanbank, das Alter – was hat also den Ausschlag gegeben? Dass „Altersschwäche“ letztlich der entscheidende Grund für den Rücktritt ist, ist unwahrscheinlich, zumal solches normalerweise nicht zu Joseph Ratzinger passt, genauso wenig wie zu seinem Vorgänger Karol Wojtyla. Es war eher eine willkommene Vorlage, die man wie einen Schleier über die anderen Gründe legen kann. Auch die Predigten Joseph Ratzingers nach seiner Rücktrittsankündigung waren nicht von „Altersschwäche“ geprägt.

Fakt ist jedenfalls: Die beiden anderen hier genannten Sachverhalte sind nicht von der Hand zu weisen: zunächst die Anzeige gegen den Ex-Papst und das Bestreben, ihn wegen Vertuschung und Begünstigung von Sex-Verbrechen an Kindern vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen. Joseph Ratzinger wurde deshalb seit 2010 immer wieder zum Rücktritt aufgefordert; dann die Aussage von Kardinal Romeo über die Lebenserwartung von Joseph Ratzinger – womöglich im Zusammenhang mit der Vatikanbank -, was immer der Grund für seine „Sicherheit“ in dieser Sache war.

Doch es kommt offenbar noch ein dritter Aspekt hinzu. Die italienische Zeitung La Repubblica schrieb am 21.2.2013 von einem Bericht über „das ganze Ausmaß von Erpressung, Sex- und Machtgier im Vatikan„, so ntv.de am 21.2.2013.
Wörtlich heißt es: „Am 17. Dezember hätten ihm [Papst Ratzinger] drei Kardinäle ihren nahezu 300 Seiten starken Geheimbericht zu der Affäre ´Vatileaks` vorgelegt, in dem es auch um homosexuelle Beziehungen und Erpressbarkeit gehe, berichtete das Blatt, ohne genaue Quellen zu nennen. An diesem Tag habe Benedikt seine lange erwogene Rücktrittsentscheidung gefällt …“
Darin gehe es um „unsaubere Einflüsse“ auf Mitglieder der Kurie und um ein übergreifendes, durch „sexuelle Ausrichtung“ verbundenes Netz von Lobbyisten mit Finanzinteressen. Gemeint ist vor allem die Homosexuellen-Lobby, der nach der Theologin Prof. Dr. Uta Ranke-Heinemann 60 % der Männer im Vatikan angehören und aus deren Reihen Kardinäle laut ntv-Bericht „im Vatikan Sex-Treffen organisiert“ haben. Das weckt erneut auch Erinnerungen an das Verschwinden der 15-jährigen Schülerin Emanuela Orlandi, die für Sex-Treffen einer anderen Vatikan-„Fraktion“ entführt, missbraucht und später ermordet worden sein soll – so zumindest der angesehene vatikanische Chef-Exorzist Gabriele Amorth.

Die Frage, die sich aus dieser Veröffentlichung ergibt, ist: Ist es also nicht nur der Papst selbst, der aufgrund eigener Verfehlungen oder Handlungen zurück treten musste? Sind es in der Summe noch einige mehr, der eine als Verbrecher, der andere als Intrigant und wieder ein anderer als Vertuscher? Alles in allem ein Querschnitt aus dem System Kirche, das den Gläubigen auf diese Weise immer weniger als „gottgewollt“ präsentiert werden kann.

Doch welche Verbrechen oder Skandale auch zugrunde liegen mögen, das wichtigste Faktum zum Papst-Rücktritt ist noch ein ganz anderes:
Das Papsttum, seine Vatikanbank und anscheinend lebensgefährliche vatikanische Sex-Parties haben mit Jesus, dem Christus, nicht das Geringste zu tun.
Das Christliche ist nur der Deckmantel der Vatikankirche, also der sprichwörtliche Schafspelz, in dem ein ganz anderes Tier steckt.

Und hier zeigt sich schließlich noch ein weiteres Phänomen: Durch das Rücktritts-Szenario mit seinen Spekulationen und dem vielen Wenn und Aber wird ein großes Interesse der Weltöffentlichkeit auf den Vatikan gelenkt, was für den siechenden und kriselnden Kirchenstaat samt Pontifex natürlich ein erheblicher Energieschub ist. Außerdem lenkt es ein wenig von dem ab, was sonst vielleicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt in das Zentrum der Öffentlichkeit gelangt wäre, z. B. ein mögllicher Haftbefehl gegenüber Joseph Ratzinger und eine breite Diskussion über die nachvollziehbaren Gründe; oder neue Entlarvungen aus der Vatikanbank. So aber rückt automatisch die Kandidatenkür für den nächsten Papst in den Mittelpunkt des medialen Interesses; so, als ob die Welt Päpste bräuchte.
Doch wer sich Rechenschaft darüber ablegt, wohin das Papsttum einschließlich des Pontifikats von Joseph Ratzinger die Menschheit bis heute geführt hat, der spürt das „letzte Stündlein“ dieser Institution näher rücken, und davon werden mehr und mehr auch die Medien erfasst. Der zwischenzeitliche folkloristische Energieschub ist also allenfalls ein kleiner Aufschub. Siehe dazu auch unseren N a c h r u f.

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