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Staatliche Milliardensubventionen für die Kirche – Was sind deren angeblich „alte Rechte“?

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Staatliche Milliardensubventionen für die Kirche – Was sind deren angeblich „alte Rechte“?

Zu den Meldungen von Der Theologe aktuell 2020/2021 gelangen Sie hier:
https://theologen.wordpress.com/2020/01/28/der-theologe-aktuell-2020/

Ca. 550 Millionen Euro im Jahr bekommen die beiden deutschen Großkirche pro Jahr vom Staat ohne Leistungsnachweis geschenkt, aufgrund „alter Rechte“, wie es heißt, obwohl bereits die Weimarer Reichsverfassung schon 1919 die Abschaffung forderte und neu das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland von 1949. Doch die Politiker im Deutschen Bundestag weigern sich und zahlten diese so genannten „Dotationen“ zuletzt Jahr für Jahr weiter, ohne Einsicht in maßgebliche Fakten, ohne Reue und ohne Wille zur Gesetzeserfüllung. Für das Grundgesetz-Gebot gibt es bis jetzt vor allem wegen CDU, CSU und SPD (strikten Kirchensubventions-Befürwortern) keine Mehrheit, und so machte man zuletzt einfach verfassungswidrig weiter.
Die 550 Millionen sind aber nur Teil von ca. 20 Milliarden Euro Subventionen und Steuerbefreiungen pro Jahr, allein über sechs Milliarden für den konfessionellen Religionsunterricht, katholisch und evangelisch, an Staatsschulen. Der Staat muss also hier – wie auch bei anderen Subventions-Posten – alles doppelt bezahlen, da sich beide Großkirchen nicht auf einen gemeinsamen Unterricht einigen können.
Allein die staatlichen Steuerverluste rechnen sich auf ca. 6 ½ Milliarden Euro im Jahr hoch, darunter die steuerrechtliche Absurdität, dass die Kirchenmitglieder ihre Kirchensteuer wieder von der Staatssteuer, der Einkommenssteuer, absetzen können.
Zu nennen ist beispielsweise auch die Komplettfinanzierung der Theologenausbildung (auch hier eine Doppelfinanzierung, katholisch und evangelisch – weil sie sich auch hier nicht einigen können, muss der Steuerzahler alles doppelt bezahlen) und der kirchlichen Fachhochschulen und die vielen Milliardengeschenke aller ca. 11.000 Kommunen in Deutschland, denn jede Stadt, jede Gemeinde zahlt und zahlt (und oft auch doppelt; bekommt die eine Kirche für ein Projekt ein paar Hunderttausend oder eine Million, kriegt es die andere für eines deren Projekte dann auch), denn die Kirche beantragt so gut wie immer eine staatliche Mitfinanzierung, und die Politiker fallen sprichwörtlich auf die Knie und machen noch Werbung mit ihren Geldgeschenken für die Kirche.
Dazu kommen 50 Euro Staatsmilliarden Euro pro Jahr für Caritas und Diakonie, obwohl die Kirche dort allein die Personalentscheidungen entsprechend trifft und das Gebetsbuch dabei das maßgebliche Kriterium ist.
Und hinzu kommen weiter die ca. 12 Milliarden Euro Kirchensteuer im Jahr, welche die staatlichen Finanzämter in Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern für die Kirche einziehen.

„Alte Rechte“ der Kirche – mit diesem Zauberwort schmettern die Kirchenjuristen seit Jahrzehnten alle Anträge ab, die Kirchensubventionen endlich zu streichen, und die Politiker werden mit den scheinbaren Argumenten eingeseift, der Kirche stünde mindestens ein ca. 25-facher Jahresbetrag der Millionengeschenke an weiteren Entschädigungen zu, sollten diese „alten Rechte“ abgelöst werden, was den Haushalt der deutschen Bundesländer quasi sprengen würde. Dabei ist die Kirche ohnehin die reichste Institution in dieser Republik. Da kein berufstätiger Normalbürger wirklich durchblickt bei diesen „alten Rechten“ und die Geschichtsprofessoren (meist katholisch oder evangelisch) in dieser Debatte öffentlich schweigen und die Geschichtslehrer (meist katholisch oder evangelisch) die Schüler in der Regel darüber im Unklaren lassen, haben wir uns einmal auf die Suche gemacht, und die Spuren dieser „alten Rechte“ gefunden.

Und die Ergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Das christliche Gebot lautet „Bete und arbeite!“ Die Kirchenoberen haben es aber Jahrhunderte lang nicht erfüllt. Sie ließen sich stattdessen auch für das Beten fürstlich bezahlen, bis heute, und ohne jeden „Erfolgs“-Nachweis. Ihr unermesslicher Besitz an Ländereien, Immobilien und den daraus resultierenden Einnahmequellen kam fast ausschließlich durch unermessliche Schenkungen der Kaiser und Könige zustande, die sich davon eine günstige Basis für ihr Seelenheil versprachen. Und woher haben es die Kaiser und Könige? Letztlich ist alles zusammengeraubt, Blutgeld und Raubgeld, zum Beispiel durch Kriege, Fehden oder indem man es in Grafschaften konfiszierte.

Dazu einige Beispiele aus dem Leben des „heilig“ gesprochenen deutschen Kaisers Heinrich II.:

Im Jahr 994 – Heinrich stimmt mit seinem Vater einer von König Otto III. vorgenommenen Verleihung von nutzbaren Rechten an das Servatiusstift zu Quedlinburg zu

999 – Er interveniert bei Kaiser Otto III. zugunsten der bischöflichen Kirche von Passau, 1000 zugunsten des Bistums Würzburg

1002 – Heinrich schenkt der Kirche, die dem Bischof von Würzburg gehört, den Ort Erlangen

28.7.1002 –  Heinrich bestätigt der bischöflichen Kirche von Osnabrück die Immunität mit ausdrücklicher Befreiung der Hintersassen vom Brückenbau, ferner Markt, Münze und Zoll in Osnabrück, das freie Verfügungsrecht über die Besitzungen und den Wildbann über einen Forst

12.8.1002 – Heinrich bestätigt dem Kloster Herford die einst von Kaiser Ludwig I. geschenkten drei Kirchen mit dem Zehent [die 10 %ige Steuer] und allem Zubehör in den Ortschaften Rheine, Wettringen und Stockum und alle übrigen Besitzungen zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen der Kirche. [Weiterhin] … Dienst und Herberge an den Bischöfen, die Verleihung der gesamten öffentlichen Gewalt mit Zoll, Münze, Bann und ausschließlichem Handel mit Bier

So fanden wir folgende Aussagen zum Verlauf der Geschichte:
Das meiste basierte auf Eroberungskriegen oder daraus resultierenden „Verhandlungen“. Ausnahmen davon haben wir nicht gefunden. Bisherige Grundherren wurden in diesen Kriegen getötet und vertrieben, deren Besitz von den Siegern konfisziert. So unterwarf der Frankenkönig Pippin, der Vater Karls des Großen, im 7. Jahrhundert die Langobarden in Oberitalien, beschlagnahmte alles Land und Besitz und schenkte es dem Papst in Rom. Dieser frönte schon in weiterem Reichtum und Machtansprüchen, da angeblich Kaiser Konstantin bereits im 4. Jahrhundert einem seiner päpstlichen Vorgänger (Silvester I.) das ganze weströmische Reich samt Zepter und Purpurmantel als Zeichen der weltlichen Herrschaft geschenkt hätte. Doch die so genannte „Konstantinische Schenkung“ ist – mittlerweile nachgewiesen – eine mittelalterliche Fälschung der Kirche, die damals auch Pippin unter die Nase gerieben wurde und auf die er hereinfiel.
Karl der Große und weitere Könige und Kaiser machten in dieser mörderischen Art auf Basis des Lügengebildes weiter wie Pippin.

Es kam nicht selten vor, dass Könige ein vormals an einen „Königsfreien“ (der also nicht vom König versklavt war) vergebenes Land wieder an eine neue Person verschenkten, beispielsweise als Landgeschenk an ein Kloster oder wenn sie einen Vasallen mit Grund ausstatten wollten. In diesem Fall wurde das Land mitsamt dem Königsfreien verschenkt. Dieser blieb zwar theoretisch gesehen ein freier Mann, war aber gleichzeitig seinem neuen Eigentümer untertan. Zuerst verlor er das Recht, von seinem Besitz wegzuziehen und wurde Schritt für Schritt zum Hörigen gemacht. Gegen Ende des Frühmittelalters wurde in den verschiedensten Gegenden Frankreichs und Deutschlands beschlossen, dass kein Landbewohner frei sein könne. Das heißt, jeder Bauer musste einen Grundherren über sich haben und gehörte damit entweder zum Gesinde eines „Herren“ oder zu dessen hörigen Bauern. Und Grundherren, das waren Adlige, König, Bischöfe und Klöster.

Doch jetzt kommt erst noch der große verbrecherische Coup der Kirche. Sie indoktrinierte die Könige und Adligen dermaßen, dass diese nahezu pausenlos die von ihnen geraubten und konfiszierten Güter an die Kirche verschenkten.
Da dem König praktisch „alles“ gehörte, so das damalige Recht, verschenkte er ganze Grafschaften oder Teile davon an den Bischof, das Bistum, das Domkapitel, das Kloster usw.

Und nun zu unserem praktischen Beispiel. Einer der Könige war König bzw. Kaiser Heinrich II. Von ihm sind 1024 Urkunden überliefert, hauptsächlich Schenkungen an die Kirche, manchmal begründet, damit das Seelenheil seines Vorgängers Otto III. zu bewirken. Das sind also – grob gesprochen – ein großer Teil der „alten Rechte“ der Kirche, die immer noch vom Deutschen Bundestag und von den Landtagen der Bundesrepublik Deutschland nicht angetastet werden, obwohl die Kirche sie niemals ehrlich erworben hatte, sondern sich Jahrhunderte lang durch Höllendrohungen und Missbrauch des Namens Gottes erschlichen hat.

Doch nun lesen Sie selbst. Nur einige wenige Auszüge aus den Urkunden von Kaiser Heinrich II., Grundlage der Milliarden und Millionen, die wir alle, ca. 1000 Jahre später, weiterhin für die Kirchenfürsten aufbringen müssen. Und das Nachfolgende ist nur beispielhaft, nur ein sehr, sehr kleiner Teil, denn es gab viele Könige und Kaiser, die ähnlich gehandelt haben, und auch von dem logischerweise „heilig“ gesprochenen Heinrich II. haben wir nur einen kleinen Teil der Schenkungen hier aufgeführt. Aber es genügt, um zu wissen, was da gelaufen ist und warum es deshalb heute so läuft wie es läuft. Der gleiche Modus damals und heute.
Entnommen wurden die Informationen der Web-Site http://www.regesta-imperii.de der Akademie der Wissenschaften und Literatur Mainz.

16.11.1002 – Heinrich schenkt in Anbetracht der treuen Dienste des Bischofs Albwin dessen Bistum Säben-Brixen einen Hof mit allem Zubehör in Regensburg, der bisher im Besitze von drei namentlich genannten Männern war, zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

24.11.1002 – Heinrich schenkt dem Bischof Gottschalk von Freising auf dessen Bitten das Gut Strasisch sowie seinen gesamten Besitz in der Grafschaft des Grafen Watilo mit allem Zubehör und bestimmt, dass diese Güter nach dem Tod des Bischofs Gottschalk an das Domkapitel der Freisinger Kirche übergehen sollen

4.3.1004 – Heinrich beurkundet die Wiederherstellung des Bistums Merseburg und restituiert und bestätigt nunmehr alle Besitzungen, nämlich die Stadt Zwenkau mit dem Forst und allem Zubehör, ferner in der Stadt Merseburg den Königshof mit allen Gebäuden, alle Höfe der Kaufleute inner- und außerhalb der Stadt, dazu noch Markt, Münze, Zoll, die Abgaben der Kaufleute

15.4.1007 – Heinrich schenkt dem Nonnenkloster Bergen die einstige Besitzung des Grafen Ernst in Dollnstein mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht … Heinrich schenkt dem Nonnenkloster Neuburg a. d. Donau die Güter Tagmersheim mit dem Wald, Mering und Zell

6. 5.1007 – Heinrich schenkt der Kirche zu Bamberg sein Gut Hallstadt sowie seine übrigen Besitzungen mit allem Zubehör in der Grafschaft des Grafen Adalbert im Regnitzgau … Heinrich schenkt der Kirche zu Bamberg seine gesamten Besitzungen mit allem Zubehör in der Grafschaft Dietmars im Gau Volkfeld

10.5.1007 – Heinrich schenkt dem Bistum Freising sein Gut Katsch zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums und verleiht für dieses Gut die Immunität sowie das Recht der Vogteinsetzung durch den Bischof. Die Schenkung geschieht unter anderem zum Seelenheil Ottos III.

27. 5.1007 – Heinrich bestätigt der erzbischöflichen Kirche von Mainz alle Schenkungen seiner Vorgänger, mit all ihren Nutzungen, die Münz- und Zollrechte, die Dörfer, die freien und unfreien Hintersassen, ferner die Immunität

22.10.1007 – Heinrich verleiht der bischöflichen Kirche zu die Grafschaft Cambrai zur freien Verfügungsgewalt des Bischofs und seiner Nachfolger mit dem Rechte, den Grafen zu ernennen und Gericht zu halten

Ohne Datum 1007 – Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg das Gut Rottenmann

Und jetzt folgen Schenkungen an einem einzigen Tag für ein einziges Bistum, das er damals neu gründen ließ:

1.11.1007 – Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Hohenschambach zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort in der Grafschaft des Grafen Rudopert mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Bad Abbach mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Sontheim a. d. Günz in der Grafschaft des Grafen Riwin mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Attersee in der Grafschaft des Grafen Gebhard mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort in der Grafschaft des Grafen Hiltibold mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Holzgerlingen in der Grafschaft des Grafen Hugo mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistum

– Heinrich schenkt dem Domkapitel des Bistums Bamberg den Ort Pförring in der Grafschaft Nordgau des Grafen Berengar mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Domkapitels sowie mit dem freien Vogtwahlrecht. Außerdem werden den Domherrn durch einen Nachtrag zweifelhafter Geltung drei Hofstätten in Regensburg, zwei in Brunnelaite und zwei in Reinhausen geschenkt

– Heinrich schenkt dem Domkapitel des Bistums Bamberg den Ort Fürth (b. Nürnberg) in der Grafschaft des Grafen Berengar mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Domkapitels

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg seine teils von seiner Mutter ererbten und teils von der Rilint empfangenen Besitzungen zu Reichenhall im Salzburggau in der Grafschaft des Grafen Thimo mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Mattighofen in der Grafschaft des Grafen Gebhard mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Bamberg den Ort Nußbach in der Grafschaft des Grafen Hessin mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Kloster Stein am Rhein den Ort Kirchen im mit allem Zubehör sowie mit dem Rheinzoll und allen sonstigen fiskalischen Rechten, er betont das freie Verfügungsrecht des Abtes

– 1008 – Heinrich schenkt – unter anderem zum Seelenheile Kaiser Ottos III. – der bischöflichen Kirche zu Würzburg den Ort Altechendorf mit allem Zubehör zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

– Heinrich schenkt dem Bistum Worms auf Intervention der Königin Kunigunde, sowie zum Seelenheile Ottos III. das Lehen des Grafen Becelin im zu freiem Verfügungsrecht zum Nutzen des Bistums

Usw., usf. Deshalb müssen alle Steuerzahler bis heute einen großen Teil ihres Verdienstes abgeben in dieses Milieu, auch wenn es definitiv grundgesetzwidrig ist.

Das Beitragsbild: T.E. Ryen, Heinrichsgrab zum Heinrichsfest 2010 im Heinrichsdom zu Bamberg zu Ehren des heilig gesprochenen Kaisers Heinrich II., public domain
Doch wer war Kaiser Heinrich II. Wie viele Menschen ließ er umbringen und berauben? Lesen Sie mehr dazu unter https://www.theologe.de/allerheiligen_heiligsprechungen-durch-paepste.htm#Kaiser-Heinrich-II

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